Wein auf Korsika – ein kulinarischer Reisebericht

Schoenes Korsika

Der korsische Weinbau hat eine lange Historie, aber ist er auch gut? Genau das wollte ich herausfinden!

 

Die Wahl für den diesjährigen Sommerurlaub fiel also auf Korsika… Warum? Weil es einfach eine traumhaft schöne Insel ist, die von Ihrer Landschaft so facettenreich, dass man dort eine erholsame und abwechslungsreiche Zeit verbringen kann.
Korsika ist eine Mittelmeerinsel und gehört zu Frankreich, so wirklich zugehörig fühlen sich die Korsen den Franzosen jedoch nicht. Im Gegenteil, sie kämpfen seit jeher mit lauter Stimme und wenn es sein muss mit Gewalt für Ihre Unabhängigkeit. Sie sprechen ihre eigene Sprache und pflegen ihre eigene Kultur. Die Korsen haben also relativ wenig gemein mit den Franzosen vom Festland. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hier soll es ja schließlich um den Wein auf Korsika gehen, und nicht um die Politik 🙂

Starten wir mal mit ein paar Basisinfos zum Thema Wein auf Korsika:
Rebfläche: ca. 5.800 Hektar
Weinbauregionen mit französischem Herkunftssiegel AOC (Appellation d’Origine Contrôlée):

Weinanbaugebiete auf Korsika
Côte orientale – AOC Vin de Corse (8)
Cap Corse – AOC Coteaux du Cap Corse (1)
Cap Corse – AOC Muscat du Cap Corse (1)
Patrimonio – AOC Patrimonio (2)
Balagne – AOC Calvi Balagne (3)
Ajaccio – AOC Coteaux d’Ajaccio (4)
Sartène – AOC Sartène (5)
Figari – AOC Figari-Pianottoli (6)
Porto-Vecchio – AOC Porto-Vecchio (7)

Die wichtigsten Rebsorten:

  • Carcajolo Noir
  • Sciaccarello
  • Niellucciu
  • Genovèse
  • Vermentinu

Korsika und sein Weinbau haben übrigens eine lange und durch die Herrschaft und Eroberung unterschiedlicher Nationen geprägte Historie. Bereits  im 6. Jahrhundert vor Christus (zu der Zeit wurde Korsika von den Griechen besiedelt) wurde schon Wein angebaut.
Im Mittelalter, um 1400 herum, als Genua die Herrschaft über Korsika übernommen hatte, ist die Bedeutung vom Wein auf der Insel nochmal angestiegen. Sie wurde zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige, auch wenn zu der Zeit der Export der Weine nur nach Genua gestattet war.
Ihr könnt euch sicherlich denken, dass mit der Übernahme Korsikas durch die Franzosen die Bedeutung des Weinbaus auf der Insel nicht abgenommen hat. Im Gegenteil, er wurde nochmal intensiviert und die Rebfläche stieg auf bis zu 32.000 Hektar an.
Inzwischen wurde das Ganze wieder auf knapp 5.800 Hektar reduziert, dies geschah primär durch unterschiedlichste Maßnahmen die zur Qualitätssteigerung korsischer Weine beitragen sollten.
So, jetzt ist aber Schluß mit dem ganzen Historikgeschwafel, ihr wollt sicherlich wissen ob die Qualität nun auch stimmt und ob das, was man in Korsika ins Glas bekommt Spaß macht.

Wein auf Korsika – die ersten Kontakte…

Da ich auf Korsika meinen Familienurlaub verbracht habe, konnte und wollte ich nicht die gesamte Insel auf seinen Wein erkunden. Nein, ich hatte mir vorgenommen den Regionen in denen wir eh unterwegs waren auch kulinarisch / vinophil auf den Zahn zu fühlen.
Wir hatten unser Urlaubsdomizil in der Nähe von Porto Veccio (im Süden der Insel) und kamen mit der Fähre in Bastia (ganz im Norden) an. Deshalb spreche ich, wenn ich in diesem Artikel von Wein auf Korsika rede primär von Weinen aus den Anbaugebieten Côte orientale (8), Porto-Vecchio (7) und Figari (6).

Als wir irgendwann samstags in der Früh (ich meine es war 7 Uhr) schlaftrunken in Bastia ankamen, war ans Wein trinken gar nicht zu denken. Auch nach einem kleinen Frühstück und nem mittelmäßigen Kaffee hat sich daran nichts geändert. Ich bekam das Thema allerdings auf dem Weg zu unserem Ferienort gnadenlos aufgedrückt. Nein, nicht von meiner Frau, und auch nicht von den Kindern, sondern von der Umgebung. Denn die Route von Bastia (zur Erinnerung: ganz im Norden) nach Porto Vecchio (südlich) führte genau durch das langgezogene Anbaugebiet Côte orientale (8). Und am Straßenrand gab es immer wieder kleine Hinweisschilder die zu regionalen Erzeugern von allerlei korsischen kulinarischen Highlights führten. Je nach Erzeuger gibt es dort Käse, Honig, Olivenöl, Schinken und ja, fast hätte ich es vergessen: WEIN. Ihr seht es auf der Karte, Côte orientale ist das größte Weinanbaugebiet Korsikas, und ihr könnt euch vorstellen, dass dort eine Menge Schilder standen, die uns zu unterschiedlichsten Winzern führen wollten. Ich kürze es mal ab, ich glaube es war so ca. 09:30 Uhr als ich mir bei einem der zahlreichen Schilder dachte „Ach verdammt, was soll’s! Ich fahr da jetzt hin und schau mal was die Korsen weintechnisch so treiben…“.

Nun ja, es war früh, ich redete mir ein, dass meine Geschmacksnerven noch nicht voll da sind und es sicherlich um ganz ordentliche Weine handelt.

Gesagt getan, in dem rustikalen Gebäude wartete eine ältere Dame auf mich, die mich etwas irritiert anschaute. Ich sah wohl nicht aus wie der typische Weintrinker. Ich war völlig mitgenommen von der Anreise, gekleidet wie ein Streuner und konnte zudem kaum ein Wort Französisch. Aber sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und behandelte mich sehr freundlich. Ich durfte die unterschiedlichen Weine kosten und merkte sehr schnell, dass das nichts mit den Weinen vom Festland zu tun hatte. Die Rotweine hatten einen sehr traubigen Geschmack und waren verdammt eintönig. Von Aromenvielfalt keine Spur. Die Weißweine rochen zwar schön nach Citrusfrüchten, was geschmacklich im Mund ankam, war jedoch nur der bittere Geschmack von Zitronenschale. Nun ja, es war früh, ich redete mir ein, dass meine Geschmacksnerven noch nicht voll da sind und es sicherlich um ganz ordentliche Weine handelt. Zudem war die alte Dame einfach total sympathisch, so dass ich am Ende je eine Flasche Rot-, Weißwein und Rosé mitgenommen habe. Für 7,50€ waren das schon die „Prestige“ Weine des Winzers. Im Laufe des Urlaubs habe ich die Weine dann geöffnet und stellte fest, auch wenn es am Tag der Verkostung früh war haben sich meine Geschmacksnerven nicht geirrt. Diese Weine waren eine Enttäuschung.

 

Weinlage auf Korsika

 

Das erste Herantasten an den Wein auf Korsika war also nicht so glücklich, was mich natürlich nicht davon abhielt weiter zu „testen“. Ich ging weiterhin nach dem Prinzip Zufall vor, im Restaurant abends habe ich hier und da ein Glässchen probiert und bei verschiedenen Winzern über die man so beim Vorbeifahren gestolpert ist ebenfalls. Leider waren all die Weine einfach nur langweilig… Teilweise musste ich sogar ganze Flaschen wegkippen und habe mich anschließend gefragt, was zum Teufel mich geritten hat diesen Wein zu kaufen?! Immerhin hatte ich ihn ja vorher auch probiert… Ein kleines Beispiel, auf unserer Standard Strecke zum Einkaufen stand am Straßenrand ein riiiiesiges Schild eines Winzers. Es war ansprechend gestaltet und ließ vermuten, dass dort jemand wirbt der ganz schön was auf sich hält. Eines Tages habe ich dem Winzer einen Besuch abgestattet und war recht amüsiert. Denn der Eingang zum Verkaufsraum selbst war winzig und völlig unscheinbar. Das fand ich auf Anhieb sympathisch, jemand so Kleines der so laut trommelt, herrlich! Bei der vor Ort Verkostung schienen die Weine auch ganz okay zu sein (mehr aber auch nicht), deshalb nahm ich auch hier 1x Rot, 1x Weiß und 1x Rosé mit. Das Ende vom Lied war, dass ich den Roten und den Rosé jeweils nach einem Glas weggekippt habe, das war ne absoulte Katastrophe! Den Weißen habe ich garnicht mehr aufgemacht sondern für die Nachmieter im Kühlschrank gelassen. Klingt nett, war aber eigentlich gemein 🙂

ENDLICH guter Wein dachten wir uns, nur leider kein korsischer, das war das Traurige an der Sache

Zu diesem Zeitpunkt habe ich das Thema Wein auf Korsika für mich persönlich abgehakt. Denn das war bis dahin eine sehr eintönige und enttäuschende Angelegenheit. Nichtsdestotrotz wollte ich abends auf der Terrasse den Blick aufs Meer gemeinsam mit meiner Frau UND einem schönen Glas Wein genießen. Und was macht man in solchen Situationen? Genau, man sucht sich einen vertrauenswürdigen Weindealer. In Porto Vecchio habe ich dann genau so jemanden gefunden, ein kleiner Laden (BACHHUS)  neben dem großen Casino Einkaufszentrum. Er war gut sortiert und wirklich nett. Leider konnte man die Weine nicht probieren und er hatte zum Großteil nur Weine aus dem höheren Preissegment (30€ – 250€) da. Da ich den Wein quasi blind kaufen musste wollte ich nicht zu viel Geld ausgeben und habe mich für einen Pinot Noir aus der Bourgogne entschieden. Die Flasche hat 10€ gekostet und war abends auf der Terrasse wahrlich ein Hochgenuss. ENDLICH guter Wein dachten wir uns, nur leider kein korsischer, das war das Traurige an der Sache.

 

Endlich guter Wein auf Korsika - nur leider kein korsischer
Endlich guter Wein auf Korsika – nur leider kein korsischer

Bei unserem nächsten Einkauf machte ich NATÜRLICH wieder einen Abstecher zu meinem neuen Weindealer, und nach dem die Wunden die mir die bisherigen korsischen Weine zugefügt hatten wollte ich nochmal auf Kuschelkurs mit Wein aus Korsika gehen. Ich schaute sie mir in der Vinothek an und mir fiel sofort auf, dass ich keines der Etiketten bisher gesehen hatte. Weder bei den unterschiedlichen Winzern, noch in den Restaurants. Mein Weindealer hatte also keines der Enttäuschungen die ich kannte im Regal. Was ebenfalls sofort auffiel, die korsischen Weine in seinem Regal kosteten mind. 15€. Das was ich bisher kennenlernen durfte / musste lag preislich immer zwischen 5 und 10€. Also war der Kollege entweder sehr teuer, oder er hatte hier eine etwas exklusivere Auswahl an korsischen Weinen.
Ich gab mir dann einen Ruck und fragte ihn, welcher der korsischen Weine aus seiner Sicht der Beste ist. Er zögerte nicht lange und zeigte mir im Regal seine Top 10 (aus ca. 30 Weinen). Und da fiel dann auch zum ersten Mal der Name „Clos Canarelli“, seine persönliche Nummer 1.
Nun ja, ich hörte mir das an und entschied mich denoch wieder für die Flasche Pinot Noir aus der Bourgogne. Das war einfach ein astreiner Wein und ich hatte keine Lust ein unnötiges Risiko einzugehen.
Trotzdem wurde ich neugierig und es tat sich wieder ein kleiner Hoffnungsschimmer auf, vielleicht gibt es ja doch guten Wein auf Korsika. Ich verwarf nun das Prinzip Hoffnung und entschied, mich zum Thema Wein auf Korsika zu belesen. Und siehe da, das was ich las deckte sich überhaupt nicht mit dem was ich bisher kannte. Von tollen Weinen war die Rede?! Ich recherchierte weiter und stolperte über Namen wie „Cuveé Alexandra“, Clos Canarelli (ja, schon wieder) und Domaine de Torraccia um nur ein paar zu nennen.

Nun war es um mich geschehen, der Ehrgeiz und die Neugier haben mich gepackt. Ich wollte zumindest die Empfehlungen aus dem Netz, die in unserer Region lagen, abfahren. Ich wollte guten Wein aus Korsika entdecken!!!
Wo ich dann tatsächlich tolle Weine entdecken konnte, welcher Zufallstreffer dabei war und ob ich bei meiner nächsten Reise meine Winzerbesuche wieder dem Zufall überlasse. All das lest ihr im zweiten Teil meines Reiseberichts „Wein auf Korsika“.

Hier geht es zum zweiten Teil

 

Corkbordell Balazs Autor: Balazs

Profil

aktueller Alltagswein: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
aktueller Lieblingswinzer: Weingut Jülg / Pfalz

Weintipps von Balazs

 

3 Replies to “Wein auf Korsika – ein kulinarischer Reisebericht”

  1. […] Hier geht es zu Wein auf Korsika TEIL 1 […]

  2. […] wir dann im Sommer unsere Korsika Reise antraten, wollte ich es wissen. Am Abend zuvor hatten wir eine Flasche Philipp Kuhn Chardonnay […]

  3. […] den Erfahrungen aus dem letzten Korsika Urlaub weiß ich, dass das auch enttäuschend sein kann und vor allem viel Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, […]

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