Weingut Meßmer – Rieslinge zum drauf rumkauen!

Weingut Meßmer Winzerbesuch

Ein Riesling,  der sich anfühlt, als ob man drauf rumkauen kann.

Samstagmorgen, 13.00 Uhr. Du liegst noch voll wie eine irische Kirchengemeinde im Nest und betest, dass die Vögel mit dem Gezwitscher aufhören. Dann ruft Ferdi an und fragt, was du so treibst. Du schiebst es auf die 1,2 Promille Restalkohol, dass du einem Ausflug zu Weingütern in die Pfalz zustimmst. In deinem Siechtum noch schnell ein Kräuterbutterbaguette reingezimmert, um irgendwie klar zu kommen und los geht’s.
So kam es, dass wir in Burrweiler landeten und wir zunächst die Strategie „Zufall“ ausprobierten. Nach einem enttäuschenden Weingut mit Rieslingen an der Schmerzgrenze war der Ofen zwar wieder an, aber von Genuss keine Spur. Hier muss es doch etwas Leckeres geben. Wir liefen ein wenig umher und siehe da, VDP Weingut Meßmer. Das hatte ich schonmal gehört.
Die Meßmer-Zentrale selbst war geschlossen, verwies auf einem Schild aber auf die weinguteigene Vinothek  250m entfernt. Glück gehabt, denn mittlerweile war es schon 16.00 Uhr.

 

Weingut Meßmer Burrweiler

 

Vor der Tür rauchte ich die Zigarette gemütlich fertig und sammelte erste Eindrücke. Sieht schon schick aus der Laden. Innen angekommen wirkte es eher etwas mondän steif, was sich beim Servieren des ersten Weins als Trugschluss herausstellen sollte. So begannen wir mit dem Gutswein 2014er Liter Riesling trocken, „um den Mund nach der Zigarette auszuspülen“. Oha, der Typ ist cool und der Riesling gleicht einer Offenbarung verglichen mit den Fieslingen beim Weingut zuvor. Das macht Lust auf mehr.
Da Ferdi ausgewiesener Schaumweinexperte ist, mussten wir ein Schlückchen Chardonnay Sekt kosten, der traditionell in der Flasche gegärt wurde. Als wir die Nase im Glas hatten, wurden die Augen bereits groß, es roch irgendwie erwachsen. Übrigens wurde der Sekt in Weißweingläsern serviert, damit das Aroma besser zur Geltung kommt. Ich kann den Mehrwert nach dieser Erfahrung bestätigen. Nach dem ersten Schluck rutschte mir ein „Ach du Scheiße“ vor Überraschung raus. Diese schmelzigen Chardonnayaromen aus gelben Früchten spielen traumhaft mit den Holznoten und dieser perligen Sektfrische zusammen. Ich bin kein großer Sektfan, aber das Zeug war wirklich richtig lecker.

 

Weingut Meßmer Chardonnay Brut

 

Wie von Zauberhand war der Kater verschwunden und ich wieder bei Sinnen. Her mit dem guten Zeug dachte ich mir, noch während er seine VDP Ortswein Rieslinge servierte. Was für ein Kontrastprogramm. Im Glas hatten wir den 2015er Granit Riesling und den 2015er Buntsandstein Riesling, bei welchen selbst Weinnihilisten einen deutlichen Unterschied geschmeckt hätten.
In der linken Ecke der Granit Riesling. Schlank, knackig, gradlinig, mineralisch ohne die große Frucht, aber die brauch er auch gar nicht. Ein Riesling der Kategorie „geradeaus“, der sich anfühlt, als ob man  drauf rumkauen kann.
Dem Buntsandstein Riesling gehört die rechte Ecke. Opulent, fast schon übergewichtig vor Pfirsich und Quittearomen sorgt er mit seiner Frische dafür, dass er seine Traubenherkunft nicht kaschieren kann. Im Gegensatz zum kantigen Granitriesling, wirkt er sehr rund und ausbalanciert. Wer gewinnt, entscheidest letztlich du, allerdings würde ich Rieslinganfängern eher zum Buntsandstein raten. Ich fand sie beide großartig.
Diese deutlichen Unterschiede sind der Rieslingtraube zuzuschreiben. Ich habe nun schon mehrfach von Winzern gehört, dass der Riesling die Böden ganz besonders gut aufnimmt und im Wein widerspiegelt. Dem ist offenbar nichts hinzuzufügen.

 

Die tollen Weine vom Weingut Meßmer bekommtihr übrigens hier:

Weingut Meßmer bei wirwinzer.de

 

Foto 05.09.16, 16 27 41 Autor: Alex

Profil
aktueller Alltagswein:
Rot: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
Weiss: Weissburgunder Goldkapsel von Ellermann Spiegel
aktueller Lieblingswinzer:
Domaine Ninot, Bourgogne / Ellermann Spiegel, Pfalz

Weintipps von Alex

 

One Reply to “Weingut Meßmer – Rieslinge zum drauf rumkauen!”

  1. […] mochte es lieber etwas runder und reifer, als diese ätzenden Anschläge auf den Gaumen. Doch das VDP Weingut Meßmer  hatte mich Ende letzten Jahres eindrucksvoll eines besseren […]

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