Daniel Twardowski und sein Pinot Noix

Dieser Wein ist pure Magie im Glas!

Ich gebe es zu, ich liebe gute Weine. Aber noch mehr liebe ich Weine die eine Geschichte zu erzählen haben. Weine, die nicht mit der Selbstverständlichkeit eines jahrhundertealten Familienbetriebs geschaffen, sondern solche, die aus einem Traum heraus geboren wurden.
Über genau so  einen Wein reden wir beim Pinot Noix. Sein Macher Daniel Twardowski hat schon in jungen Jahren eine Begeisterung für die frischen, spritzigen Weine der Mosel entwickelt. Da auf ihn jedoch kein Weingut aus Familienbesitz wartete, er aber trotzdem seiner Passion, dem Wein, folgen wollte, baute er einen erfolgreichen Weinhandel auf. Er knüpfte Kontakte, kam in der Welt der Weine rum und seine Faszination für den edlen Saft aus feinen Trauben wurde immer größer.
Aus der Faszination wurde ein Traum, die zwei Welten für die er so schwärmte vereinen und daraus einen außergewöhnlichen, in seinen Augen perfekten Wein zu keltern. Auf der einen Seite die Mosel mit ihrer herrlichen Frische, dem leichten Trinkgenuss, dem Schiefer und der Langlebigkeit. Auf der anderen Seite der Burgund mit seinen Größen wie Leroy, Jayer und Rousseau, so unheimlich authentisch und jung.

Getreu dem Motto „Sei der Held deines eigenen Traums“ machte sich Daniel Twardowski an die Arbeit und baute sich sein eigenes kleines Weingut auf. Frei Gusto versteht sich, natürlich hat er hier und da Praktika bei unterschiedlichen Winzern gemacht. In erster Linie jedoch vertraut er der Natur, seinem Bauchgefühl und seiner Leidenschaft für guten Wein. Laut Daniel Twardowski waren es nicht die Kurse und Praktika die ihm das Weinmachen lehrten. Es waren viel mehr der Wein selbst und die Trauben, die ihm zeigten, was zu tun war.

Daniel Twardowski und sein Pinot Noix
„Manchmal ist weniger doch mehr“ sagt er, „Ich habe nie wirklich in die Prozesse des Weinwerdens eingegriffen, alles läuft spontan bei uns. Die Gärung, die Füllung, einfach nach Geschmack und Reife.“
Daniel Twardowski vertraut der Natur, seinen hochwertigen Reben und dem besonderem Terroir der Mosel. Er steckt sein ganzes Herzblut in sein Baby und möchte das auch in Zukunft tun können. Genau aus diesem Grund will er sich nur in überschaubarem Maße vergrößern. Denn, um es in Twardowskis Worten zu sagen „Man kann sein Restaurant vergrößern und in TV Shows auftreten, aber in der Küche kann der Chef dann eher selten vor Ort sein um zu agieren. Aber grade bei uns im Weinberg passiert das Entscheidende und das prägt unseren Wein. Ich habe lieber einen kleinen Betrieb bei dem ich alle Stöcke einzeln kenne, als nur der Sklave der Arbeit zu sein und nicht mehr individuell auf die Weinreben eingehen zu können.“

Bei dieser Einstellung kann doch nur etwas Geniales rauskommen? Genau das habe ich mir auch gedacht und wollte es herausfinden. Gesagt, getan! Gemeinsam mit Alex habe ich uns 3 Flaschen des Pinot Noix besorgt. Warum 3 Flaschen? Nun ja, wir wollten einfach mal die unterschiedlichen Jahrgänge 2011, 2012 und 2013 gegeneinander antreten lassen. Immerhin hat Twardowski den Anspruch, dass seine Weine die jeweilige Jahrgangstypizitäten widerspiegeln, ohne dabei die Identität des Pinot Noix zu verlieren.
Ob ihm das mit seinem Pinot Noix gelungen ist? Ich verrate es euch!

Daniel Twardowski Pinot Noix Verkostungsnotiz

Pinot Noix 2013

Direkt beim Öffnen der Flasche wurde klar, das hier ist kein Kindergeburtstag . In dieser Flasche versteckt sich etwas ganz Besonderes! Feinste Aromen von Pflaumen, edler Schokolade und Leder stiegen uns in die Nase. Und das mit einer Intensität, dass man die Nase gar nicht mehr wegziehen wollte. Man wollte sich einfach nicht von diesem feinen Duft trennen.
Nach diesem Fest in der Nase ließ uns allein der Gedanke an den ersten Schluck das Wasser im Munde zusammenlaufen. Die Vorfreude beim Heben des Glases zauberte uns beiden ein Lächeln ins Gesicht und ein Glänzen in die Augen. Eigentlich völlig unrealistisch, dass das Versprechen an die Nase auch im Mund gehalten wird, dachte ich mir heimlich. Der Gedanke verflog aber just in dem Moment, als der erste Tropfen meine Zunge berührte! „Aaaaaalter!!!“ stieß es aus mir heraus. „Was ist denn hier los?!“. Ihr ahnt es schon, dass was sich geschmacklich im Mund abspielte war ein Phänomen. Der Pinot Noix legte sich butterweich auf die Zunge und verteilte sich wie von Geisterhand im Mund. Dieser Wein hat weder Ecken noch Kanten, er ist von der Konsistenz her nahezu perfekt. Und dann noch dieses Wahnsinns Fruchtaroma von reifen Kirschen, das zarte Holz im Hintergrund und eine schöne, kühle Mineralität – ein Phänomen! Wenn ich jetzt in meine Verkostungsnotizen schaue, stehen unter dem Punkt „Geschmack“ nur zwei Worte: „Einfach GEIL!!!!“
Und was man gar nicht so richtig in Worte fassen kann, ist der Nachhall, den dieser Wein auslöst. Je mehr Zeit nach dem Schlucken vergangen ist, desto schöner wird das Geschmackserlebnis im Mund. Man hat das Gefühl, es bleibt einem für immer erhalten.

10brilliant

Preis: ca. 70 EUR

Land: Deutschland
Region: Mosel
Rebsorte: Spätburgunder
passender Anlass:
Winterwein, romantischer Abend,
Familie beeindrucken
passende Mahlzeit:
Antipasti – der Wein steht im Mittelpunkt

Pinot Noix 2012

Nachdem wir den 2013er getrunken haben, hatten wir uns innerlich darauf eingestellt, dass es nicht mehr besser werden kann. Wir haben uns gesagt, beim 2013er, da hat sicherlich schon eine gewisse Lernkurve beim Weinmachen mit eingewirkt. Deshalb ist er so genial, wahrscheinlich sind die Jahrgänge zuvor nicht ganz so gut. Hätte uns bei einem Selfmade Winemaker auch nicht gewundert, zumal wir hier von einem extrem hohen Niveau sprechen.
Aber langer Rede, kurzer Sinn: weit gefehlt! Der 2012er ist mindesten genauso geil. Wenn nicht sogar ein bisschen besser.
Es sind dieselben Akteure wie beim 2013er, die einem in der Nase den Kopf verdrehen, nur diesmal etwas blumiger. „Das kann doch nicht wahr sein.“, war unser erster Gedanke! Schon wieder so ein Geschoss?
„OH JA!“ war die Antwort nach dem ersten Schluck! Und man merkt dem Wein das weitere Jahr Reifezeit an. Der 2012er hält die Geschmacksaromen noch besser beisammen. Das ist geballte Geschmackspower auf engstem Raum! Man hat das Gefühl, man könnte diesen Wein noch mit reichlich Wasser verdünnen und er wäre noch um Längen besser, als viele durchaus respektable Weine.
Auch hier hatten wir nach dem Trinken das Gefühl, dass uns der Geschmack im Mund noch eine gefühlte Ewigkeit begleitet. Die Aromen nisten sich im Mund ein und denken gar nicht daran zu verschwinden.
Selten hat es so viel Spaß gemacht nach dem Austrinken noch am Glas zu schnuppern. Denn auch hier sind sie geblieben, die Aromen die uns schon vor dem ersten Schluck den Kopf verdreht haben.

10brilliant

Preis: ca. 70 EUR

Land: Deutschland
Region: Mosel
Rebsorte: Spätburgunder
passender Anlass:
Winterwein, romantischer Abend,
Familie beeindrucken
passende Mahlzeit:
Antipasti – der Wein steht im Mittelpunkt

Pinot Noix 2011

Soweit ich weiß, der erste Jahrgang von Daniel Twardowski. Der erste Pinot Noix quasi. Kann jemand gleich beim ersten Wurf einen so guten Wein zaubern? Nach den Erfahrungen, die wir mit dem 2013er und 2012er Jahrgang gemacht haben, trauten wir diesem Winzer nun alles zu.
Also das übliche Prozedere: Flasche auf, Nase rein – und wieder großes Staunen. Denn wieder war es ein Phänomen, was uns entgegenkam, aber diesmal mit neuer Besetzung, denn es wurde rustikaler in der Nase. Neben den fruchtigen Aromen kamen nun die Röst- und Holzaromen viel intensiver zur Geltung. Dieser Jahrgang ist wesentlich erwachsener, ohne jedoch seine Eleganz zu verlieren.
Was der Pinot Noix im Mund auslöste war der Wahnsinn. Er hatte den ähnlichen Grundcharakter wie die anderen beiden Jahrgänge, brachte jedoch völlig neue Geschmacksaromen mit. Wir schmeckten Tabak und Teer, kombiniert mit feiner Vanille und edler Schokolade. Wir konnten unseren Sinnen kaum noch trauen, denn sie spielten verrückt vor Freude.
Auch dieser Jahrgang grenzt an Perfektion. Und das als Debutjahrgang. Ein RIESEN KOMPLIMENT an den Koch, ähm Winzer.
Und ja, auch hier gab es einen unendlich langen Nachhall! Sowohl im Mund, als auch im Glas als kleines  Schmankerl für die Nase.

10brilliant

Preis: ca. 70 EUR

Land: Deutschland
Region: Mosel
Rebsorte: Spätburgunder
passender Anlass:
Winterwein, romantischer Abend,
Familie beeindrucken
passende Mahlzeit:
Antipasti – der Wein steht im Mittelpunkt

Fazit:

Daniel Twardowski ist ein Genie, ein Magier, der zauberhaftes in die Flasche abfüllt. Wir gesagt, das Ganze ist verdammt nah dran an der Perfektion im Glas, nach der wir uns sehnen. Wenn man bedenkt, dass wir relativ junge Versionen vom Pinot Noix verkostet haben und diese noch locker 15 Jahre reifen können, dann wird einem erst recht bewusst, wie besonders diese Meisterwerke sind. Ich weiß gar nicht, ob es meine Nerven verkraften würden den Pinot Noix in ein paar Jahren auf dem Höhepunkt seines Seins zu trinken. Denn, hätte ich nicht mit etwas Übergewicht zu kämpfen, ich hätte bereits bei den jungen Jahrgängen vor Freude auf dem Tisch getanzt.

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Corkbordell Balazs Autor: Balazs

Profil

aktueller Alltagswein: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
aktueller Lieblingswinzer: Weingut Jülg / Pfalz

Weintipps von Balazs

 

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