Stippvisite in der Provence

Aussicht Les Beaux de Provence

#Airbnb #Pastis #Bouillabaisse #Papst #Wein

Irgendwie ist das schon etwas seltsam an Weihnachten bei 18 Grad und Vogelgezwitscher auf der Terrasse zu sitzen und Apéritif zu schlürfen. Dieses Jahr war ich über die Feiertage meinen alten Herrn in Südfrankreich besuchen. Wenn ich bei Papa zu Besuch bin, machen wir immer gerne Ausflüge. Meist in Weingegenden, das versteht sich von selbst.

Unsere Reiseroute

Ohne große Planung wollten wir einfach mal losziehen und uns von Marseille aus nach Châteauneuf-du-Pape durchschlagen. Am Tag vor der Abreise hatte Papa dann doch Angst um seinen Schlafplatz und wollte schon Hotels anrufen, woraufhin ich ihn vehement stoppte: Heute macht man das mit Airbnb! Was er nicht wusste, dass man bei Airbnb auch durchaus mal Pech haben kann, was Sauberkeit und Qualität der Betten angeht. Trotzdem irgendeine Wohnung mitten in Marseille am alten Hafen gebucht und los geht’s. Um es vorweg zu nehmen: wir hatten Glück mit den Buden.

Die Stadt genießt in Frankreich nicht den besten Ruf, was wohl am Hafencharakter liegt. Laut gängiger französischer Meinung treiben sich dort gern zwielichtige Gestalten (Papa: „Alles Gauner!“) herum, welche einen nach Strich und Faden abziehen. Gut, wenn man auf der Autobahn an den nördlichen Stadtteilen vorbeifährt, sieht Marseille tatsächlich nicht besonders einladend aus. Im Zentrum angekommen, schlenderten durch kleine Gassen am alten Hafen vorbei auf der Suche nach einem geeigneten Restaurant. Ich hatte zwar nicht den Eindruck, dass hier Kuschelatmosphäre herrscht, aber gefährlich? Nö.

Ausblick auf den Hafen in Marseille
Ausblick auf den Hafen in Marseille

So landeten wir im Restaurant l‘Esquinade, welches ich ausdrücklich empfehlen darf. In einer Seitenstraße gelegen bietet es zwar nicht den Blick auf den alten Hafen, kann aber mit besseren Preisen und hoher Qualität punkten. Was trinkt man so in Marseille? Falsch, kein Wein – diesen, wenn überhaupt, nur zum Essen. Hier gibt’s Pastis. Aber das in rauen Mengen.
So, und was isst man in Marseille? Bouillabaisse . Ich bin kein großer Fischesser und geschenkt ist sie sicher nicht, aber diese Lokalspezialität muss man mal probiert haben. Lecker war sie auf jeden Fall. Der absolute Wahnsinn waren übrigens die gratinierten Muscheln zur Vorspeise, bessere habe ich bislang nicht gegessen. Einzig der Wein zum Essen war leider recht teuer, in Anbetracht des Menüs war dies jedoch zu verschmerzen.

Bouillabaisse
Sieht eklig aus, ist aber geil! Bouillabaisse

Leicht verkatert ging es am nächsten Morgen nochmal eine Runde durch die Stadt. Marseille ist erstaunlich hügelig, wodurch man fast von allen höheren Lagen einen traumhaften Blick aufs Meer hat. Noch schnell ein Croissant aus der ältesten Bäckerei der Stadt mitgenommen und weiter geht’s nach Aix-en-Provence.
Welch ein Kontrastprogramm. Vom rauen Marseille ins gut behütete, beschauliche Vorstadtdörfchen. Es fühlt sich so an, als wohnten hier Menschen, die zwar in Marseille arbeiten, aber ähnliche Vorbehalte hatten wie wir. Schöne alte provenzalische Gässchen, viele Brunnen, kleine Cafés an jeder Ecke, aber eben irgendwie nicht so spektakulär wie Marseille. Einen Ausflug ist Aix-en-Provence allemal wert und für den netten Familienspaziergang am Nachmittag geradezu ideal.

So kam es, dass wir uns nicht allzu lange dort aufhielten und weiterfuhren nach Les Baux-de-Provence. Noch nie gehört? Keine Angst, ich auch nicht. Das Örtchen liegt mitten im Nationalpark „Parc Naturel Régional des Alpilles“. Aplilles ist eine Verniedlichung für die Vorläufer der Alpen, Älpchen quasi, also aufgepasst: hier geht’s hoch.

Aussicht Les Beaux de Provence
Aussicht Les Beaux de Provence

In Les Baux-de-Provence kann man kein Auto fahren, da es ein altes Bergdorf ist. Also gut, draußen irgendwo am Arsch der Welt kostenpflichtig parken und sich dann den Berg hochschleppen. Es zog wie Hechtsuppe und zum Glück hatte ich die Snowboardjacke an. Im Ort angekommen wird man aber für etwaige Strapazen entschädigt. Wer sowas noch nie gesehen hat wird verzückt sein. Mitten auf dem Gipfel der Alpilles wurde ein historisches Dorf errichtet, teils in Fels geschlagen, teils auf und aus Fels gefertigt. Überall kleine Gässchen voller Geschichte, altes Handwerk, nette kleine Restaurants und über allem thront die historische Burg, welche einen schier uneinnehmbaren Eindruck vermittelt.

Les Beaux de Provence

Genug der Kultur, wir wollen jetzt Wein (der Kater hatte offenbar nachgelassen). Hier sollte eine faustdicke Überraschung folgen, aber nächste Woche mehr dazu in Teil 2.

HIER GEHTS ZU TEIL 2

Foto 05.09.16, 16 27 41 Autor: Alex

Profil
aktueller Alltagswein:
Rot: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
Weiss: Weissburgunder Goldkapsel von Ellermann Spiegel
aktueller Lieblingswinzer:
Domaine Ninot, Bourgogne / Ellermann Spiegel, Pfalz

Weintipps von Alex

 

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