Weinwichteln – BORSAO Tres Picos 2014

Borsao Tres Picos 2014 Verkostungsbericht

Unverhofft kommt oft – Winewichteln 2016

Männer werden ja bekanntlich nur 7 Jahre alt, danach wachsen sie nur noch. Bei mir ist es natürlich nicht anders. Was wahrscheinlich einer der Hauptgründe war, weshalb ich mich monatelang wie ein Kleinkind auf die Vorweihnachtszeit gefreut habe. Warum? Nun ja, ich bin auf eine Facebook Gruppe aufmerksam geworden, in der eine Wichtelaktion organisiert wurde. Ich rede dabei nicht von irgendeiner Wichtelaktion, nein, es ging um Weinwichteln. Völlig unbekannte Leute verschicken Wein aneinander. Genial! Ich war natürlich sofort Feuer und Flamme, ohne zu zögern habe ich mich zum Wichteln angemeldet.

Ich sag’s mal wie es ist, ich war total aufgeregt und gespannt, was da auf mich zukommt. Ich glaube als Kind fand ich Wichteln (wenn überhaupt) ganz nett, aber als Erwachsener fieberte ich der Aktion entgegen. Als es dann endlich soweit war, bekam ich von den Organisatoren jemanden zugelost, den ich bewichteln sollte. Für mich war ziemlich schnell klar, welchen Wein ich auf die Reise schicke. Eine Flasche Jülg Spätburgunder Kalkmergel 2013. Einfach ein super Tropfen, den jeder mal getrunken haben sollte.

Nun hieß es warten, warten bis mein Wichtelwein mich erreicht. Ich habe mehrmals täglich in die Facebook Gruppe geschaut, weil dort immer wieder Pakete gepostet wurden, bevor sie sich auf die Reise machten. Teilweise wurden echt große Namen verwichtelt. Da  stieg die Vorfreude natürlich ins Unermessliche.
Pünktlich vor Weihnachten war es dann soweit. Ein nicht zu verkennendes Paket wurde vom Postboten ausgeliefert und mir von meiner Frau per WhatsApp Foto angekündigt. Es ist mir fast schon unangenehm, aber ich war in der Tat so neugierig, dass ich am Liebsten alles stehen und liegen gelassen hätte um nachhause zu fahren und das Paket zu öffnen.
Das war natürlich nicht möglich, zu eurer Beruhigung,  ich habe den Tag überlebt und konnte dann irgendwann mein Paket endlich entgegennehmen.

Nach dem Öffnen war ich erstmal überrascht. Ich hatte irgendwie mit einem deutschen Wein gerechnet. Wahrscheinlich, weil in der Weinwichtel-Gruppe primär deutsche Weine gepostet wurden. In meinem Paket lag jedoch ein spanischer Wein. Und zwar eine Flasche „BORSAO Tres Picos 2014“. Von diesem Wein hatte ich noch nie was gehört, geschweige denn getrunken. Ich war also völlig ahnungslos, was mich da erwartet. Irgendwie spannend.

Weinwichteln Borsao Tres Picos 2014

Ich schaute mir das Etikett genauer an, Rebsorte „Grenacha“ – kannte ich, ich war also nicht mehr völlig blind. Alkoholgehalt: 15%! Das ist mal ein Wort. Ganz schön heftig, muss schon ein echter Brummer sein, dieser BORSAO Tres Picos 2014. Vielleicht sogar zu schwer für meinen Geschmack. Auch hier bin ich ganz offen, ich hatte die Befürchtung, dass dem so ist. Jahrgang 2014, noch recht jung, aber was soll’s, ich würde ihn  garantiert nicht reifen lassen.

Noch am selben Abend wurde die Flasche also geköpft. Immer noch neugierig, aber inzwischen ohne großen Erwartungen füllte ich mein Glas. Der Wein war tiefdunkel, am Rand bildete sich ein Ring in magenta, der den Grenacha zu umarmen schien. Ein schöner Anblick, der jedoch nicht überraschte. Das ist ein typisches Erscheinungsbild der Rebsorte und sagt nicht zwingend viel über das Geschmackserlebnis aus.
Als nächstes hielt ich die Nase ins Glas. Um die Sinne zu schärfen schloss ich die Augen, riss sie aber schlagartig wieder auf, als mir die ersten Aromen in die Nase stiegen. Ein frischer Duft nach Kirschen, Pflaumen, etwas Mandel und sogar ganz sanft im Hintergrund Lakritz. Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Natürlich hat dieser Wein was auf dem Kasten. Bei einer Aktion wie dem Weinwichteln wird niemand irgendwelchen lieblosen Kram verschicken. Im Gegenteil, hier gehen Lieblinge auf die Reise. Und ich hatte einen Wein im Glas, von dem irgendjemand da draußen meinte, dass ihn jeder mal getrunken haben sollte. Diesen jemand wollte ich auf gar keinen Fall enttäuschen und trank einen Schluck.

Im Mund bestätigte sich nun das, was sich in der Nase angedeutet hat. Dieser Wein hatte richtig was drauf. Zart im Hintergrund bildete ein feiner, hölzerner Geschmackston das Fundament für ein spanisches Meisterwerk der Geschmacksarchitektur . Darauf aufbauend wurden am Gaumen eine Kombination aus Kirschen und Pflaumen serviert, verfeinert mit einem Hauch Vanille und Lakritz. Was klingt, wie ein abgefahrener Obstsalat, ist in Wahrheit ein ausgezeichneter Wein, der einem das Gefühl gibt, einen fruchtigen Nachtisch zu verputzen.
Die Konsistenz des BORSAO Tres Picos tat ihr übriges. Obwohl der Wein ziemlich jung war, legte er sich butterweich auf die Zunge. Fast schon cremig kam er daher, einfach wunderbar.

In meinen Augen ein perfekter Wein als Begleitung zu einem Rindersteak. Zudem einer der Tropfen, die man getrost noch zum Nachtisch, ob Schokopudding oder Früchtekompott, im Glas behalten kann.
Ihr seht, ich habe nicht das bekommen, was ich erwartet habe und das war auch gut so. Denn das, was ich bekam, war verdammt gut. Ich denke, es ist genau das, worum es beim Weinwichteln geht. Man bekommt eine Überraschung, von jemandem, der von dieser Überraschung überzeugt ist.

Bestellen kannst du den Wein übrigens HIER
Zur Weinwichtel Facebook Gruppe geht es HIER lang

 

9hervorragend

Preis: ca. 12,90 EUR
Hervorragendes Preis- Genussverhältnis
Land: Spanien
Region: Campo de Borja
Rebsorte: Garnacha
passender Anlass:
Winterwein, romantischer Abend
passende Mahlzeit:
lecker Steak
Corkbordell Balazs Autor: Balazs

Profil

aktueller Alltagswein: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
aktueller Lieblingswinzer: Weingut Jülg / Pfalz

Weintipps von Balazs

 

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