Reichsrat von Buhl bone dry Riesling 2016

Reichsrat von Buhl "bone dry Riesling"

Von den Toten auferstanden um zu feiern.

Stell dir vor, du läufst durch die Gänge deines Weinhändlers und kommst dir die ganze Zeit beobachtet vor. Egal wo du hingehst hast du das Gefühl, irgendetwas folgt dir mit seinem Blick. Die ersten kalten Schweißperlen bilden sich auf deiner Stirn. Du schaust hinter dich, aber es ist weit und breit niemand zu sehen. Ein Blick nach links, keiner da. Ein Blick nach rechts, nichts, außer ein paar Weinflaschen. Du setzt zum nächsten Schritt an und erstarrst. Mit einem Mal und völlig unerwartet blickst du in die leeren Augenhöhlen eines bunt geschmückten Totenkopfs. Da ist er also, der Übeltäter. Zwischen all den Eliteweinen, hat er es sich bequem gemacht. Dem Schreck folgt die Erleichterung, denn der Totenkopf ist nicht real. Er ziert lediglich das Etikett des „bone dry Riesling“ von Reichrat von Buhl.

So erging es mir bei meinem letzten Weinkauf. Ich war fasziniert von der Situation und der Tatsache, dass sich so ein renommiertes Weingut wie Reichsrat von Buhl, zu solch einem Etikett hinreißen lässt. Das machte mich neugierig und ich schnappte mir den „bone dry Riesling“. Du hälst die Story für kompletten Humbug? Vertrau mir, es hat sich genau so abgespielt…

bone dry Riesling von Reichsrat von Buhl
Foto von nathaliececilia.com

Auf den ersten Blick erinnerte mich das Etikett ein wenig an die bunten Masken des mexikanischen Totenfests. Der zweite Blick offenbarte mir jedoch einige Details, die auf das Innere der Flasche schließen lassen könnten. Der Totenkopf war geschmückt mit Zitrusfrüchten, Ananas und feinen Trauben. Alles Aromen, die sich in einem Riesling durchaus wohl fühlen. Zufall? Ich denke nicht.
Mit einem geschickten Handgriff öffnete ich den Schraubverschluss, um den Geist der Flasche zu befreien. Er dankte es mir und breitete sich in Form feinster Aromen im Raum aus. Wie bereits vermutet, tummelten sich nun die Früchte vom Etikett in meiner Nase. Ein klassischer Riesling eben oder doch nicht? Da war ja, neben dem ungewöhnlichen Etikett, auch noch der etwas andere Name: „bone dry Riesling“.

Klingt ein wenig nach einer Rockergruppierung, die um die Vorherrschaft in den Weinbergen kämpft. Ein netter Gedanke, trifft aber nicht ganz zu. Es geht vielmehr um Reichsrat von Buhl’s Vorliebe zu trockenen Weinen. Damit meine ich verdammt trockene Weine, eben knochentrocken.
Das macht sich auf der Zunge auch bemerkbar, der Riesling scheint fast ein wenig zu bitzeln, als tanze er auf Zehenspitzen Ballett. Die knackige Säure tut ihr Übriges und gibt den Takt am Gaumen vor für einen immer wilder werdenden Tanz von Zitrusfrüchten, Ananas und grünem Apfel.

Reichsrat von Buhl "bone dry Riesling"
Foto von nathaliececilia.com

Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass eine harmonische Kombination aus ultratrocken und superfruchtig gelingen kann. Doch Reichsrat von Buhl hat es geschafft, was ein weiterer Beleg für die herausragende Arbeit in diesem Weingut ist. Nicht umsonst ist Reichsrat von Buhl eines der wenigen deutschen Weingüter mit eigenem Wikipedia Eintrag.
Wer das ausgefallene Etikett für einen gut gelungenen Marketinggag hält, hat nur bedingt recht. Denn der mit Früchten verzierte Totenkopf bildet den Charakter des „Buhl bone dry Riesling“ perfekt ab. Knochentrocken, aber so aromatisch, dass er Tote zum Leben erwecken kann und sie vor Freude erblühen lässt.
Der Marketinggag ist eher die Tatsache, dass der Totenkopf unter Schwarzlicht leuchtet. Das macht den bone dry Riesling zum perfekten Begleiter auf jeder Party.

 

HIER kannst du den Wein kaufen.

 

8-8,5sehr_gut

Preis: ca. 9,50 EUR
Verdammt lecker und
das für so kleines Geld
!
Land: Deutschland
Region: Pfalz
Rebsorte: Riesling
passender Anlass:
Sommerwein
Partywein
passende Mahlzeit:
helles Fleich, lecker Fisch oder Salat

 

Corkbordell Balazs Autor: Balazs

Profil

aktueller Alltagswein: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
aktueller Lieblingswinzer: Weingut Jülg / Pfalz

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