Peter Jakob Kühn Spätburgunder 2014

Peter Jakob Kühn Spätburgunder 2014

Der StWein der Weisen.

Das Weingut Peter Jakob Kühn ist in der Szene für seine ausgezeichneten Rieslinge bekannt. Daraus besteht auch fast sein komplettes Sortiment. Bis auf eine winzig kleine Ausnahme, irgendwo dazwischen hat sich nämlich auch ein Spätburgunder versteckt.

Warum zum Teufel macht ein geniales und hochgelobtes Riesling Weingut einen Spätburgunder? Ich schätze, weil sie es ziemlich geil finden, eine andere Erklärung habe ich dafür nicht. Dem musste ich auf den Grund gehen, es gab gar keine andere Möglichkeit. Ich besorgte mir also eine Flasche und nahm sie gut gelaunt mit nach Hause.
Das Etikett kommt in einem sehr reduzierten Design daher. Goldene Initialen zieren das fein strukturierte Büttenpapier und lassen es sehr edel erscheinen.
Auf die ausgeflippten, quietschbunten Spielereien der Konkurrenz lässt man sich hier nicht ein. Auffallen um jeden Preis scheint beim Weingut Peter Jakob Kühn nicht nötig zu sein. Im Gegenteil, es wirkt fast so, als stünden sie über alldem.

Peter Jakob Kühn Spätburgunder 2014
Foto von nathalie-cecilia.com

Auf der Rückseite der Flasche fiel mir ein weiteres Detail auf, das Weingut ist Demeter zertifiziert. Das ist mal ein Wort, denn was viele nicht wissen, unter den BIO Siegeln gibt es Unterschiede. Je nach Siegel sind unterschiedlichste Kriterien zu erfüllen und Demeter ist dafür bekannt, dass sie sehr strenge Vorgaben machen. Wer nach Demeter zertifiziert ist, übertrifft die Anforderungen an den Bio-Weinbau um einiges. Wir haben es hier also mit einem sehr reinen Naturgut zu tun, das freut mich umso mehr.
Kompliment an dieser Stelle an das Weingut Peter Jakob Kühn, sie gehen mit ihrem Demeter Siegel nicht hausieren, sondern platzieren es ganz dezent auf dem Etikett der Flaschenrückseite. Schon wieder scheinen sie über den Dingen zu stehen und es nicht nötig zu haben, sich nur über den biologischen Anbau zu definieren. Ohne die Flasche geöffnet zu haben, war mir das Weingut bereits extrem sympathisch.

Sympathie reicht im Corkbordell jedoch nicht aus, hier zählt nur Begeisterung. Ob Peter Jakob Kühn diese auslösen kann, wollte ich natürlich herausfinden. Also gönnte ich mir ein Glas des feinen Tropfens und war extrem gespannt.

Als der Wein seiner Bestimmung folgte und sich auf den Weg von der Flasche in das Glas machte, offenbarte er seine Farbe. Erstaunlich dicht wirkte sie, nicht so hell und klar wie viele leichtfüßige Spätburgunder. Eher etwas dunkel, aber nicht knallrot. Sehr interessant, der Wein wirkte fast schon etwas trüb, beinahe als wäre er schon mehrere Jahre in der Flasche gereift. Ich schaute nochmal auf das Etikett, der Jahrgang ist 2014, der Wein also noch blutjung.

Peter Jakob Kühn Spätburgunder 2014
Foto von nathalie-cecilia.com

Mit der Nase im Glas tastete ich mich weiter an diesen Tropfen heran. Mir kamen zarte, absolut im Einklang befindliche Aromen von tiefdunklen Kirschen, Waldbeeren und etwas Cassis entgegen. Wir reden hier jedoch nicht von einer Fruchtexplosion in der Nase, sondern von einem perfekt aufeinander abgestimmten Mix von Aromen, die nicht zu aufdringlich, sondern genau richtig sind.
Geschmacklich zieht sich dieser Eindruck wie ein roter Faden durch den Wein. Feine, fruchtige Noten, die kurz zuvor meinen Geruchssinn betörten, schmiegten sich nun an meinen Gaumen. Etwas Holz und ganz leichte Säure runden das Geschmackserlebnis ab. Das alles mit einer eleganten Zurückhaltung, wie man sie eigentlich nur von ganz großen Weinen kennt.

Der Peter Jakob Kühn Spätburgunder ist kein Wein der Extreme, sondern scheint trotz seiner jungen Jahre die Ruhe gefunden zu haben, um alle im Wein befindlichen Komponenten in Harmonie miteinander zu vereinen. Das führt beim Trinken automatisch dazu, dass man sich dem Genuss hingibt und selbst ein wenig runterfährt. Es wirkt fast so, als hätte der Spätburgunder etwas Weises an sich. Ein Ruhepol an hektischen Tagen, der dich weder zur nächsten Party noch zur Besinnungslosigkeit treibt, sondern dir den Weg zu deiner inneren Mitte zeigt.

Diese Ruhe und Ausgeglichenheit habe ich bei so einem jungen Wein noch nie erlebt. Die meisten Rotweine haben in dem Alter entweder zu viel Frucht, Holz oder Säure. Manchmal wirkt es fast so, dass damit von irgendwelchen Schwächen abgelenkt werden soll.

Bei diesem Exemplar habe ich jedoch den Eindruck, als beobachte er das teils wilde Treiben anderer Weinmacher mit einem entspannten Lächeln im Gesicht.

Zu kaufen gibt es den Wein übrigens HIER.

 

9,5grossartig

Preis: ca. 19 EUR

Land: Deutschland
Region: Rheingau
Rebsorte: Spätburgunder
passender Anlass:
Winterwein, romantischer Abend, Familie beeindrucken
passende Mahlzeit: rotes Fleisch

 

Corkbordell Balazs Autor: Balazs

Profil

aktueller Alltagswein: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
aktueller Lieblingswinzer: Weingut Jülg / Pfalz

Weintipps von Balazs

 

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