Ein Wochenende im Burgund

Wochenende im Burgund - Besuch beim Weingut Folie

 

Es war mal wieder soweit, ein Wochenendtrip mit den besten Freunden stand vor der Tür und zu meiner Überraschung waren sie dazu bereit mich Weinwahnsinnigen zu einem Wochenende im Burgund zu begleiten. Mein Geheimplan bestand darin, auf Kultur und Chillerei größtenteils zu verzichten und sie von einem Weingut zum Nächsten zu schleifen. Doch es kam natürlich alles anders.
Aufgrund diverser Staus wegen des verlängerten Pfingstwochenendes war ich der letzte beim Treffpunkt. Kleine Anekdote: Stau heißt auf französisch bouchon, was gleichermaßen auch Korken bedeutet. Das Schicksal wollte mir offenbar ein Zeichen schicken.
Also konnte ich mich aufgrund des drohenden Zeitverlusts um keinerlei Proviant kümmern, aber der Rest der Truppe konnte – und wie.
Ferdi und Carla sponserten ein Potpourri aus Wurst und Käse mit frischen Brötchen. Und Oslo (ja, der Typ heißt wirklich so) kümmerte sich nebst mitgebrachter Pizza mit Meeresfrüchten um das alkoholische Wohl im Auto. Drei schöne Schott-Zwiesel Weingläser hatte er auch im Gepäck und Ferdi bereute vermutlich schon auf den ersten fünf Kilometern, dass er sich freiwillig als Chauffeur gemeldet hatte.
So starteten wir also aus der Pfalz zu einem der berühmtesten Örtchen im Burgund: Beaune.
Solch eine Fahrt gilt es natürlich standesgemäß einzuläuten also servierte Oslo ein Fläschchen „Das kleine Kreuz“ vom VDP Weingut Rings aus Freimersheim. Es handelt sich hierbei um ein 2013er Rotweincuvée aus Merlot, Cabernet Franc, St. Laurent und Cabernet Sauvignon. Für mich einer der Vorzeige(rot)weine aus der Pfalz in diesem Preissegment. Das kleine Kreuz ist so ein Typ Everybody’s Darling: bislang hat dieser Wein jedem geschmeckt, den ich davon habe kosten lassen. Mit knapp über 20€ ist das „Kleine Kreuz“ für das gebotene Rotweinerlebnis auch für Einsteiger noch einigermaßen bezahlbar.
Nach 3 Flaschen Rotwein verlief die Fahrt letztlich weitestgehend ruhig, bis auf die Tatsache, dass ich durch den übermäßigen Weinkonsum gefühlt im 15-Minuten Takt aufs Klo musste und Ferdi damit fast zur Weißglut brachte.
In Beaune angekommen begaben wir uns auf die Suche nach unserem kleinen Ferienhäuschen und konnten so schon die ersten Eindrücke der Stadt aufsaugen. Insgesamt ein wirklich schöner Ort mit vielen altertümlichen Bauten. Es wäre vermessen mich detailliert kunsthistorisch zu äußern, aber bei einem kleinen Spaziergang durch Beaune sind die Kirche „Notre-Dame“, offenbar ein berühmtes Werk der burgundischen Romatik und das Hôtel-Dieu, ein ehemaliges Hospital aus dem 15. Jahrhundert, durchaus sehenswert. Zudem ist ein Besuch der Stadt des Nachts auch unbedingt zu empfehlen, da an insgesamt 6 (mehr haben wir nicht entdeckt) Sehenswürdigkeiten große graue Projektoren zu finden sind, die meist sakrale Bilder auf die entsprechenden Wände projizieren.

Projektionen Beaune

Nun aber zurück zum Wein. Hierzu muss man eine Besonderheit des Burgunds beachten. Es werden (fast) ausschließlich die Trauben Pinot noir (Spätburgunder), sowie Chardonnay angebaut. Ergo gibt es genau eine Rotweintraube und auch nur eine Weißweintraube, was den Kauf von Cuvées unweigerlich erschwert. Für den ein oder anderen mag die Vielfalt auf der Strecke bleiben, auf der anderen Seite bietet dies eine sehr hohe Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Weinen und glaubt mir: geschmacklich langweilig wird es sicherlich nicht.
Oben habe ich gerade „(fast) ausschließlich“ geschrieben: Es gibt in der Tat einen geringen Anteil anderer Trauben, wie die Rebsorte Aligoté, auf deren Flaschen immer „Bourgogne Aligoté“ verzeichnet ist. Dieser Weißwein hat nichts mit den üblichen Burgunderstandards gemein und wird vorrangig als Apéritifwein genutzt, um etwa einen Kir daraus zu machen. Die Lagerfähigkeit der Bourgogne Aligoté liegt bei maximal 2-3 Jahren, ganz im Gegensatz zu den „richtigen“ Burgunderweinen die im im Weissweinbereich oftmals über 10 Jahre lagerfähig sind. Die Pinot Noirs kann man stellenweise sogar bis zu mehreren Jahrzenten liegen lassen. Im Übrigen ist auch nur bei den Bourgogne Aligoté ein Cuvée mit bis zu 15% Chardonnay Anteil erlaubt.

Am nächsten Morgen ging es also auf zu meiner Lieblingsbeschäftigung: Weingüter abklappern mit dem Ziel den Kofferraum mit leckerem Stoff vollzustopfen.
Leider ist meine Expertise im Burgund noch recht überschaubar, weswegen ich zunächst zu einem Weingut fahren wollte, welches ich bereits kenne, um einen Grundstock einzukaufen – safety first! Danach war die Idee weiter auf gut Glück durch die Gegend zu fahren, auf der Suche nach neuen versteckten Schätzen. Gesagt getan, unser erstes Ziel war Rully, wo die Domaine Ninot beheimatet ist. Übrigens, „Domaine“ steht im Französischen für Weingut und wird meistens im Burgund verwendet. Ganz im Gegensatz zum Begriff „Château“, welcher eigentlich Schloss bedeutet und üblicherweise im Bordelais, also bei den Bordeaux-Weingütern zu finden ist. Wie so oft gibt es hier allerdings keine feste Regel, sodass ihr beide Begriffe in allen Weinregionen Frankreichs finden werden.
Die Domaine Ninot habe ich erstmals auf der Weinmesse „Salon des Vins des Vignérons Indépendants“ in Straßburg kennengelernt. Auf der Messe findet man eine Fülle an Burgunderweingütern und die Domaine Ninot habe ich als einen der wenigen leckeren und halbwegs bezahlbaren dort empfunden. Im Burgund ist es übrigens überhaupt kein Problem für eine Flasche Wein aus einer normalen Lage 50€ auf den Tisch zu legen, bei der Domaine Ninot liegen die teuersten Weine jedoch bei unter 25€, was ich in Anbetracht des hervorragenden Geschmacks als sehr fair einstufe. Vor allem die beiden Mercurey 1er Cru „Les Crêts“ und „Les Velleys“ hatten es mir im Rotweinbereich angetan und lagen im 2013er Jahrgang bei knapp über 20€ auf der Messe. Aber auch die anderen Rot- und Weißweine der Domaine Ninot sind einen Versuch wert, das Preis-Leistungsverhältnis ist einfach hervorragend.
Nach einer halben Stunde Fahrt erreichten wir Rully und zu unserer aller Überraschung war der Ort wie ausgestorben. Ok, es war das Pfingstwochenende, aber immerhin Samstag und somit kein staatlicher Feiertag. Dies schien auch der Domaine Ninot herzlich egal zu sein, man ließ uns vor verschlossenen Türen ausharren, bis wir uns schließlich enttäuscht auf die Suche nach neuen Landen machten.
Unterwegs stießen wir auf ein Schild mit der Aufschrift „Domaine de la Folie“, was soviel bedeutet wie „Weingut des Wahnsinns“ und uns sofort sympathisch war. Um es abzukürzen, die Weine waren ganz nett, aber nichts Herausragendes, was ich vorbehaltlos empfehlen würde. Nichtsdestotrotz war der Besitzer ein top entspannter End-30er Franzose, der auch gut englisch sprach, was meinen Mitstreitern sehr entgegen kam. Geduldig zeigte er uns seine Weinberge direkt vor der Haustür und erklärte, dass „Folie“ im Prinzip nichts mit Wahnsinn zu tun habe, sondern vielmehr historisch aus altertümlichen Namen entstanden sei. Was bei ihm allerdings sehr lecker ist, sind sein Schaumwein „Crémant de Bourgogne“ für ca. 10€ die Flasche und sein Vieille Eau de Vie de Marc de Bourgogne. Letztes ist eine Spirituose, die ich mit „Altes Lebenswasser“ übersetzen würde und stark an einen guten Tresterbrand à la Grappa erinnert für 42€ die Flasche. Wir haben ein paar Flaschen Crémant und eine Flasche Eau de Vie mitgenommen, was wir auch zu Hause nicht bereuten.

denis perret weingut bourgogne

Langsam hatten wir also Einen kleben und der Hunger trieb uns gen Ferienhaus zurück nach Beaune. Angetrunken einkaufen ist zwar wirklich lustig, aber vorsicht: man neigt zur Übertreibung.  Der arme nüchterne Ferdi musste mich des Öfteren zur Zurückhaltung ermahnen.
An dieser Stelle muss ich eine Lanze für französische Metzgereien brechen. Mal abgesehen davon, dass Franzosen für mich grundsätzlich die bessere Fleischqualität als Deutsche Metzgereien bieten, schneiden sie auch Stücke die bei uns so nicht erhältlich sind. Beispiele hierfür im Bereich Rind sind Bavette und Onglet, die etwas faseriger (nicht durchwachsener!) sind, als das bekannte Rumpsteak oder Filet. In puncto Preis und geschmacklicher Intensität haben sie aber klar die Nase vorn. Der absolute Wahnsinn ist das Côte de boeuf, in Deutschland findet man es gelegentlich unter dem Namen Hohe Rippe, welches sehr dick geschnitten wird und meist 1,5 – 2kg wiegt. Bei uns zahlt man dafür je nach Qualität zwischen 30 und 60€ pro Kilo, in Frankreich hingegen ist es schon ab 20€ das Kilo zu haben. Ich empfehle nicht mehr als 5 Minuten scharf grillen pro Seite und danach nochmal 5 Minuten ruhen lassen. Dann schön parallel zum Knochen in Scheiben aufschneiden und servieren – ein Hochgenuss! Natürlich haben wir uns, nebst anderen Leckereien wie frischen Gambas, auch ein ein Côte de Boeuf für 22€ das Kilo gegönnt.

Nun hatten wir jedoch immer noch keinen Burgunder zum Essen und so bin ich, während meine Kompagnons Vorbereitung für die Völlerei trafen, nochmal losgezogen um Wein zu besorgen. Den Umständen geschuldet kam leider nur eine fußläufig erreichbare Vinothek in Frage, da ich zum einen fahruntüchtig und zum anderen die Zeit bis zum Essen etwas knapp war, um mich auf die Suche nach einem vernünftigen Weingut zu machen.
Ich mag Vinotheken eigentlich nicht. Meist sind sie überteuert und der persönliche Bezug zu Weingut und Winzer fehlt mir einfach. Ich genieße es, mit den Winzern direkt vor Ort über ihre Weine zu plaudern und den Charme des Weinguts aufzusaugen. Der größte Mehrwert beim Vor-Ort-Besuch ist aber, dass ich beim Winzer alle Weine ausgiebig probieren kann. Wer kauft schon gerne blind? Die Vinotheken haben, ein wenig Glück vorausgesetzt, einige offene Flaschen zur Probe, die Auswahl ist jedoch meist sehr begrenzt. Wer sich allerdings gar nicht auskennt, dem kann der Besuch in der Vinothek durchaus nutzen. Die Möglichkeit, sich einen Überblick über die lokale Weinwelt zu verschaffen und etwas Beratung in Anspruch zu nehmen ist in manchen Fällen Gold wert.
In Beaune Zentrum gibt es natürlich eine Fülle von Vinotheken, leider habe ich wie befürchtet deren nur zwei gefunden, bei welchen ich degustieren konnte. Zum einen den Marché aux Vins und zum anderen die Maison Denis Perret.
Der Marché aux Vins erinnert ein wenig an Systemgastronomie, da man am Eingang aufgefordert wird eine bezahlte Degustation wahlweise zwischen 10 und 60€ zu buchen. Dies kommt in Vinotheken recht häufig vor, um Touristen und Weinlaien abzuholen und Schnorrer abzuschrecken. Kleiner Trick: Oft genügen ein paar Worte Französisch und rudimentäre Weinkenntnisse gepaart mit einer klaren Kaufabsichtserklärung, um die bezahlte Probe zu umgehen und einen Privatberater an die Hand zu bekommen. Dieser versorgt den Kunden mit kostenlosen Proben und individueller Beratung, so geschehen in beiden genannten Vinotheken.
Leider lag der Marché aux Vins schlicht weit über meinem Budget. Sie hatten eine hervorragende Auswahl, leider zumeist die edleren Tropfen ab 40-50€ aufwärts, sodass ich mir meine Zeit vor Ort nach zwei hervorranden Rully 1er Cru sparen konnte.
Also ging es bis dato erfolglos in die Maison Denis Perret. Ich probierte ein paar leckere Tropfen, doch auch hier war mein Budget eigentlich nicht ausreichend. Zudem waren die meisten Weine noch sehr jung und ich suchte eigentlich einen Rotwein für den sofortigen Genuss zum Côte de Boeuf. Glücklicherweise hatten sie 2 verschiedene Flaschen älteren Jahrgangs auf Lager, leider ohne Option diese zu testen. Da ich mir geschworen habe wirklich niemals größere Mengen Wein blind zu kaufen, griff ich zum Notfallplan. Ich kaufte je eine der Flaschen blind und lies sie vor Ort zur außerordentlichen Miniweinprobe öffnen. Und siehe da, es geht doch. Beide waren zu meiner Zufriedenheit und so orderte ich je einen Karton 2008er Beaune Vignes Franches 1er Cru von Louis Latour zu 29,50€ je Flasche und 2010er Savigny-Les-Beaune von Louis Jadot (nicht 1er Cru) zu 22,40€ die Flasche. Die Preise mögen für den Schnäppchenjäger hoch wirken, allerdings waren diese Flaschen im unteren Preissegment der Vinothek angesiedelt. Beides sind durchaus gute rote Burgunder, jedoch würde ich die Domaine Ninot im Preis-Leistungsverhältnis jederzeit vorziehen. Ein Test im nüchternen Zustand steht allerdings noch aus, eventuell revidiere ich meine Meinung ja noch. 
Ein Schnäppchen habe ich dann aber doch noch gemacht und zwar beim Weißwein. Ebenfalls von Louis Latour konnte ich einen Karton Chardonnay Grand Ardèche von 2013 zu je 9,30€ die Flasche ergattern. Diesen Wein haben sie, wie auch die großen Chardonnays aus dem Burgund, 10 Monate ins Eichenfass gesteckt, und das schmeckt man auch!
Zu Hause angekommen musste ich ihn direkt noch einmal testen. Der Chardonnay legt sich wie Schmelzkäse auf die Zunge und man hat den Eindruck Omas Pfirsich-Vanillekompott auszulöffeln, der auf frischem Toast serviert wird. Für diesen Preis einfach ein Knaller. Da muss man in der Pfalz lange suchen, um etwas Vergleichbares für unter 10€ zu finden.

Somit hatte ich nun 18 Flaschen Wein verteilt auf 3 Kartons gekauft und war zu Fuß gekommen. Herzlichen Glückwunsch. Nachdem ich die Kartons auf meinen Unterarmen hinauswuchtete wurde mir nach 50 von 800m Heimweg klar: das wird so nichts. Also habe ich den kläglichen Versuch unternommen ein Stück per Anhalter mitgenommen zu werden, was nach einer gefühlten Stunde und einer halben Flasche Frustwein alias Beaune Vignes Franches 1er Cru schließlich doch noch glückte. Taxi wäre natürlich auch eine Option gewesen, aber ich hatte schlicht zu sehr einen in der Batterie, um so weit denken zu können.
Letztlich kam ich doch noch irgendwann an und wir konnten den Abend feucht-fröhlich mit diversen kulinarischen Highlights zu Ende bringen.

Gartenparty im Burgund

 

Foto 05.09.16, 16 27 41 Autor: Alex

Profil
aktueller Alltagswein:
Rot: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
Weiss: Weissburgunder Goldkapsel von Ellermann Spiegel
aktueller Lieblingswinzer:
Domaine Ninot, Bourgogne / Ellermann Spiegel, Pfalz

Weintipps von Alex

 

 

Niemand hat uns für das Verfassen dieses Artikels bezahlt, bestochen oder sonst was. Wir profitieren auch nicht davon, wenn ihr die in dem Artikel verlinkten Produkte bestellt bzw. die genannten Weingüter / Restaurants besucht. Das wollten wir einfach mal loswerden 🙂

 

Ein Kommentar bei „Ein Wochenende im Burgund“

  1. Läuft bei euch 🙂

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