Wein aus Slowenien – eine Zufallsentdeckung dank Netflix

Burja Estate - Bio Wein aus Slowenien

Dank Glotze in den Urlaub.

Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen oder wie in diesem Fall, auf der Couch sitzen. Wer kennt es nicht, an manchen Tagen will man einfach nur zuhause chillen, den Kopf abschalten und ein bisschen Fernseher gucken. So war es vor einigen Wochen auch bei mir.

Bei einem Glas Wein wollte ich mich ein bisschen berieseln lassen, ich war jedoch spät dran und die Spielfilme im „normalen“ TV hatten bereits angefangen. Also musste Netflix herhalten und ich zappte mich dort mal durch. Nach langer Suche bin ich irgendwie über die Dokuserie „chef’s kitchen“ gestolpert, eine Sendung, in der in jeder Folge ein Spitzenkoch und sein Werdegang vorgestellt wird. „Perfekt“ dachte ich mir, das ist genau mein Ding, es geht um gutes Essen und interessante Menschen, was will man mehr.

Ich habe sofort gefallen an der Serie gefunden und mir gleich mehrere Folgen angeschaut, unter anderem auch die, in der es um die Geschichte von Ana Ros ging. Köchin und Inhaberin des Hiša Franko in Slowenien. Eine ausgezeichnete Köchin mit beeindruckendem und spannendem Werdegang. Was mich jedoch noch mehr begeistert hat, war die unfassbar schöne Natur, die immer wieder in unterschiedlichsten Szenen zu sehen war.

alpen in Slowenien
Foto by studio-liaison.de

„Verdammt nochmal, was ist das denn für ein geiles Land“ schoss es mir durch den Kopf. Diese Bilder ließen mich nicht mehr los, so dass ich einige Tage später anfing, mich näher über Slowenien zu informieren. Der erste Eindruck aus der Netflix-Serie wurde schnell bestätigt, Slowenien ist unheimlich schön.

Kurzerhand buchte ich einen Kurzurlaub in diesem Land, natürlich in der Nähe von Kobarid, dem Ort, in dem das Hiša Franko zuhause ist. Wenn schon, denn schon…

Foto by studio-liaison.de

Selbstverständlich recherchierte ich auch ein Weingut in der Nähe, wenn in ferne Länder reisen, dann bitte auch die hiesige Weinwelt entdecken, aber eins nach dem anderen.
Slowenien hat sich in der Tat als wunderschönes Land erwiesen. Um ehrlich zu sein, hatte ich es bis vor kurzem gar nicht auf dem Radar und hatte wirklich keine Vorstellung, was das Land zu bieten hat. Wenn man mich gefragt hätte, wie ich mir Slowenien vorstelle, hätte ich ein vom Bürgerkrieg gebeuteltes, verarmtes Land vor Augen gehabt. Dem war absolut nicht so. Kobarid, der Ort in dessen Nähe wir übernachteten, liegt nahe der österreichischen und italienischen Grenze. Man hat einen hervorragenden Blick auf die Alpen und die ganze Landschaft ist durchzogen von türkisenen Flüssen. Richtig, die Flüsse sind türkis, eine Farbe, die man eigentlich nur von Traumständen in der Karibik kennt. In dieser Ecke Sloweniens strahlt sie dich von jeder Seite aus an. Schaut euch einfach die Bilder an, sie sagen mehr als tausend Worte.

türkisene Flüsse in Slowenien
Foto by studio-liaison.de

Neben der Natur haben die überaus netten, aufgeschlossenen und hilfsbereiten Einheimischen sofort mein Herz erobert. Die meisten sprechen englisch und einige sogar ein paar gebrochene Worte deutsch. Gut, das mag an der Gegend und der Nähe zu Österreich liegen, aber was solls, ich war halt in dieser Ecke des Landes.

Das Hiša Franko haben wir dann doch nicht besucht, meine Frau und ich waren einfach nicht so optimistisch, dass es in einem so gehobenen Restaurant auch Essen gibt, dass nicht nur uns, sondern auch die Kinder glücklich macht. Wie sich jedoch herausstellte, liegt ein paar hundert Meter entfernt vom Hiša Franko ein Ableger des Restaurants, das Hiša Polonka. Der Inhaber ist niemand geringeres als der Mann von Ana Ros (du erinnerst dich? Die Köchin aus der Netflix Serie), welcher sich mit seinem Restaurant auf ehrliche, regionale Küche konzentriert und zwar auf einem sehr hohen Niveau. Das Essen war ausgezeichnet, so dass wir das Hiša Polonka während unseres Aufenthalts gleich mehrmals aufgesucht haben. Mein Favorit waren die Gnocchi mit Lamm in Salbeisauce, ein Traum. Der Laden ist ein Mix aus rustikaler Bar und kleinem Restaurant mit gutem Bier und einfachem Tafelwein. Auf einer separaten Karte gibt es auch flaschenweise gehobene Weine. Ich entschied mich dennoch für die einfachen, offenen Weine. Die bodenständige Atmosphäre lud quasi dazu ein.

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, doch für mich sind die Zutaten für einen gelungenen (Kurz-) Urlaub ein wundervoller Ort, tolle Menschen um mich herum, eine entspannte Atmosphäre und gutes, regionales Essen auf dem Teller. Alles, was der Urlaub darüber hinaus zu bieten hat, ist ein absoluter Bonus. Ob ihr es glaubt oder nicht, dieser Bonus sollte für mich noch folgen.

Foto by studio-liaison.de

Ich hatte es im Vorfeld erwähnt, vor unserer Abreise habe ich noch ein Weingut in der Nähe recherchiert. Nun ja, recherchiert ist vielleicht etwas übertrieben. Ich habe in der Facebook Gruppe „Hauptsache Wein“ geschaut, welche slowenischen Weingüter von den Usern empfohlen wurden. Dann habe ich mir einfach den erstbesten Tipp, der in unserer Nähe war, rausgepickt. Ich hatte ja keine Ahnung von Slowenien und erst recht nicht vom Weinbau in dem Land, also verließ ich mich einfach auf die Meinung der anderen Weinfreaks.

Die Wahl fiel somit auf Burja Estate von Primož Lavrenčič. Ein Kurzcheck im Netz verriet, dass das Weingut ökologisch arbeitet, eine moderne, ansprechende Webseite hat, die mehrsprachig aufgebaut ist. Letzteres ließ mich einen kurzen Moment zweifeln, da das oft ein Indiz für ein sehr großes, evtl. sogar industrielles Weingut ist. Doch die Tatsache, dass die Empfehlung aus guter Quelle stammte, ließ mich die Zweifel vergessen – zum Glück.

 Primoz Lavrencic vom Weingut Burja Estate
Im Hintergrund zu sehen, die Bodenbeschaffenheit des Weinbergs. Foto by studio-liaison.de

Primož Lavrenčič empfing uns mit offenen Armen und einem freundlichen Lächeln. Ein extrem sympathischer Typ, der fließend englisch spricht. Seine Vinothek befindet sich mitten in den Weinbergen und war zum Zeitpunkt unseres Besuchs noch nicht ganz fertig gebaut. Primož hat das Gebäude direkt in den Weinberg „hauen“ lassen, das heißt, die Rückwand des Gebäudes ist der Weinberg selbst. So kann man im Weinkeller den Querschnitt des Weinbergs sehen, die komplette Bodenstruktur mit all ihren Schichten ist offengelegt. Das ist beeindruckend und Primož konnte seinen Stolz nicht verbergen, warum auch.

Burja Estate Ambiente im Weinkeller
Foto by studio-liaison.de

Bevor es an die Weinverkostung ging, unterhielten wir uns ein wenig. Er erzählte, dass er das Weingut früher mit seinem Bruder betrieben habe. Er, also sein Bruder, ist großer Fan von internationalen Rebsorten und Bordeaux Cuvées. Primož ist eher Verfechter der regionalen Sortenvielfalt, so dass die beiden sich dazu entschieden, jeweils eigene Weingüter zu gründen. Dadurch kann jeder seiner Leidenschaft nachgehen und es müssen keine Grundsatzdiskussionen mehr geführt werden.

Ich stellte mich also auf gänzlich Unbekanntes ein, Weine aus typisch slowenischen Rebsorten. Um ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung, welche das sein sollten. Aber ok, Primož schien was von seinem Fach zu verstehen und die Typen auf Facebook sagten ja, dass seine Weine toll sind. Somit fühlte ich mich auf der sicheren Seite und nahm das Glas mit einem Probeschluck vom Petite Burja entgegen. Ein Weißwein der Rebsorte Istrian Malvasia. Noch nie gehört? Keine Sorge, ich auch nicht. Laut Primož handelt es sich dabei um einen Klassiker aus dem slowenischen Weinbau.

Die Farbe war zart gelb und etwas trüb, aus ihr konnte ich noch nicht ganz lesen, was auf mich zukommen wird. Die Nase verriet da schon ein bisschen mehr, da waren ein paar erfrischende Aromen, wie zum Beispiel Zitrusfrüchte, doch das in einer Intensität und Power, dass ich von einem vollmundigen Geschmackserlebnis ausging. Von den Aromen in der Nase erinnerte mich der Wein ein bisschen an den Sancerre Silex, über den ich zuletzt berichtete.

Die Erinnerung wurde intensiver, als ich zum ersten Schluck ansetzte. Ein frisches Aroma gepaart mit leichten Petrolnoten und einer cremigen Konsistenz. „Aha!“ dachte ich mir, „der Primož kann tatsächlich was“. Mir gefiel, was ich im Glas hatte und ich wollte nun erst recht den Rest probieren.

Weingut Burja Estate
Foto by studio-liaison.de

Wir gingen also über in die „Burja“ Kollektion, erneut wartete ein Weißwein auf uns, dieses Mal eine Cuvée. Und schon wieder waren mir gänzlich unbekannte Rebsorten am Start, die Cuvée besteht nämlich aus Laški rizling (auch bekannt als Welchriesling oder Italien Riesling), Rebula, einer fast ausgestorbenen Rebsorte, die in Teilen Sloweniens noch angebaut wird und Malvasia, den ich ja bereits kennenlernen durfte.
Die Trauben für die Weine kommen aus 20-60 Jahre alten Reben und Primož erzählte, wieviel ihm an der Rebsorte Rebula liegt. Er liebt das Zeug und will es wieder populärer machen. Mir wäre es recht, denn der Wein ist der Hammer. Eine deutliche Spur erwachsener, als der reinsortige Malvasia. Diese Weißweincuvée strotzt auf der einen Seite vor Frische, auf der anderen Seite vor Power. Ein ganzer Haufen von Aromen tummelt sich auf engstem Raum und bereitet meinem Gaumen reichlich Freude. Trinkspaß und Genuss in Harmonie vereint. Ein Traum mit ordentlichem Lagerungspotenzial.

Inzwischen war ich überzeugt, die Entscheidung das Weingut Burja zu besuchen, war absolut richtig. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass mein persönliches Highlight noch kommen sollte. Der Burja Reddo, die Rotweincuvée aus der Burja Kollektion. Rebsorten? Ihr ahnt es schon, mir, bis auf eine Ausnahme, gänzlich unbekannt. Der Wein besteht aus Schioppettino, Refosco und Blaufränkisch. Gut, mit Blaufränkisch hatte ich ein wenig Erfahrung, ich wusste, das Zeug bringt eine gewisse Frische mit ins Spiel. Aber Schippettino und Refosco, was zum Teufel ist das denn bitte?

Burja Estate Weinverkostung

Ich löse auf, beides sind alte, für die Region typische Rotweinsorten. Sie werden eigentlich nur in der Region in und um Istrien an- und meistens als Tafelweine ausgebaut. Nicht viel davon verlässt das Produktionsland. Ich war erleichtert, ich sah meinen vermeintlichen Expertenstatus stark gefährdet, aber die Tatsache, dass es sich um echte Exoten handelte, ließ mich aufatmen.

Primož Lavrenčič erzählte uns, dass er mit dieser Cuvée ein regionales Gegenstück zum klassischen Bordeaux Blend kreieren wollte. Schippettino und Refosco seien eher kräftige Rebsorten, am ehesten Vergleichbar mit Syrah. Der Blaufränkisch hingegen, soll den beiden Kraftpaketen eine gewisse Leichtfüßigkeit verleihen. Ich war gespannt, wie sich das im Glas bemerkbar macht.

Also rein damit und erstmal einen tiefen Zug durch die Nase nehmen. Tatsächlich, das Zeug ist kraftvoll, mir strömen Tabaknoten und eingelegte Kirschen entgegen. Doch auch die vorab angekündigte Frische ist mit am Start. Ich lasse einen kleinen Schluck über meinen Gaumen streifen und bin begeistert. Das hatte ich nicht erwartet. Die verschiedenen Rebsorten im Burja Reddo waren dermaßen im Einklang, dass die verschiedenen Charakteristika in perfekter Harmonie zusammenspielen konnten. Die in der Nase angedeuteten, eingelegten Kirschen wurden unterlegt mit einem Hauch Tabak, was gemeinsam für einen rustikalen Trinkspaß sorgte.

Ich musste automatisch an eine alte Holztheke in einer verrauchten Kneipe denken. An den Tischen sitzen harte Kerle und spielen Karten. Aber Stopp, da war noch etwas, ein Haufen junger, stylisch gekleideter Studenten kam rein, sie setzten sich laut lachend an einen Tisch und füllten den Raum mit guter Laune. Das ist das Kontrastprogramm, den der Blaufränkisch mit ins Spiel bringt. Am Schönsten jedoch ist, dass alle in Harmonie miteinander sind und man sich als Trinker ein bisschen fühlt, wie der Barkeeper in dieser Kneipe. Man steht zufrieden hinter der Theke und genießt die geile Atmosphäre im Laden.

Wein aus Slowenien
Foto by studio-liaison.de

Ich war richtig Happy mit meinem Besuch im Weingut Burja. Wir verkosteten zwar noch weitere Weine von Primož, aber mein Herz gehörte dem Burja Reddo, von dem ich mir immer mal wieder einen kleinen Schluck nachschenkte. Selbstredend, dass ich mir, bevor wir weiterzogen, ein paar Flaschen in den Kofferraum gepackt habe.

Als wir uns von Primož Lavrenčič verabschiedeten und ihm erzählten, dass wir noch einen kurzen Ausflug nach Triest (Italien) machen wollten, um dort eine gute Pizza zu essen, musste er grinsen. „Also, wenn ihr bereit seid auf dem Weg nach Triest einen Umweg von 15-20 Minuten in Kauf zu nehmen, dann würde ich euch die beste Pizza Sloweniens empfehlen.“. „Waaaas?“, dachte ich mir, „her damit“. So einen Insider Tipp eines Einheimischen kann und will ich nicht ausschlagen. Schon gar nicht von jemandem, der mit gutem Wein sein Geld verdient, denn solche Typen stehen auch immer auf gutes Essen.

Burhja Estate Wein für das Hisa Franko
Beim rausgehen entdeckt, eine Palette Wein, reserviert für das Hiša Franko. Irgendwie schließt sich damit der Kreis.

Er schickte uns zur Pizzeria Etna in Divača, ein kleiner, sehr gepflegter Laden. Natürlich backen sie ihre Pizza in einem vernünftigen Holzofen. Als ich mich über die Theke lehnte, um einen Blick reinzuwerfen, staunte ich nicht schlecht. Im Ofen war eine Runde Steinplatte, die der Pizzabäcker mittels Hebel drehen konnte, um die verschiedenen Pizzen in den richtigen Hitzebereichen zu halten. Geil, sowas hatte ich zuvor noch nicht gesehen.
Ich will euch auch gar nicht lange auf die Folter spannen, die Pizza war der Hammer, Primož hatte nicht zu viel versprochen. Als wir so im Kreise der Familie aßen, blickte ich nur in glückliche Gesichter. Also merkt euch, wenn ihr das Weingut Burja irgendwann mal besuchen solltet, geht anschließend unbedingt in der Pizzeria Etna essen, es ist wirklich fantastisch.

Mir ist klar, dass ich hier permanent ins Schwärmen gerate, aber es ist, wie es ist und Slowenien mit seiner Natur, den Menschen und jetzt auch dem Wein sind einfach genau mein Ding. Kaum zu glauben, dass ich das ausgerechnet dank der oft gescholtenen Plattformen Netflix und Facebook erleben durfte.

Hier geht es zur Webseite von Burja Estate.

 

Niemand hat uns für das Verfassen dieses Artikels bezahlt, bestochen oder sonst was. Wir profitieren auch nicht davon, wenn ihr die in dem Artikel verlinkten Produkte bestellt bzw. die genannten Weingüter / Restaurants besucht. Das wollten wir einfach mal loswerden 🙂

Corkbordell Balazs Autor: Balazs

Profil

aktueller Alltagswein: Jülg Spätburgunder „Kalkmergel“ 2013
aktueller Lieblingswinzer: Weingut Jülg / Pfalz

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